Actrices - Nette Szenen (Viennale)

Frankreich, 2007, Regie, Buch und Hauptrolle: Valeria Bruni-Tedeschi

Inhalt: Marcelline ist eine berühmte Theaterschauspielerin. Sie ist vierzig und hört von ihrer Gynäkologin, dass sie nicht mehr viel Zeit hat, ein Kind zu bekommen. Dabei ist noch nicht mal ein Mann in der Nähe. Nur Kollegen, zu denen sie keinen Draht findet, eine Mutter, der sie nichts recht machen kann und einige Geister, die Marcelline verfolgt (und nicht umgekehrt).

Ein netter Film, den ich im Rahmen der Viennale sah und einige Tage später schon wieder fast ganz vergessen habe. In Erinnerung bleiben jedoch drei bewegende Szenen als Bespiele für gutes Drehbuchschreiben:

1. Beginn des Films: die Mutter macht Vorhaltungen: schnapp dir doch deine alte Flamme Arthur noch mal. Antwort: der ist verheiratet und hat zwei Kinder. Gegenantwort: na und? überfall ihn, wirf dich ihm um den Hals und lass dir ein Kind machen.
Viel später im Film. Marcelline sitzt auf der Bühne nach der Vorstellung. Ein Mann kommt, sie kennen sich, sie begrüssen sich, sie wirft sich ihm an den Hals. Sie fallen übereinander her. Sie keucht und sagt ihm mit geschlossenen Augen ins Ohr: “Ich hab keine Angst mehr. Mach mir ein Kind.” Er ist total verschreckt und richtet sich auf. Sie wird sich bewusst, was sie da grad eben gesagt hat und spricht: “Es tut mir leid Arthur. Wie gehts den Zwillingen?”

2. Marcelline läuft durch die leeren Garderobegängen des Theaters. Plötzlich hört sie ein Baby schreien. Sie geht in eine Gardarobe. Dort liegt ein fremdes, eingewickeltes Baby. Sie setzt sich dazu, bekommt den liebenvollen Mutterblick und fängt an, mit dem Baby zu balgen. Es schreit und Marcelline ist klar, dass es Hunger hat. “Du willst trinken” meint sie, fuchtelt ihre Brust aus der Bluse heraus und tut so, als gäbe sie sie dem Kind. In diesem Moment stürzt die ehemalige Freundin, die nie im Schauspiel wirklich Fuss fassen konnte herein, sie ist die sichtliche Mutter und sie staucht Marcelline als Irre zusammen, sodass die Möchtegernmutter verstört nach draussen läuft.

3. Marcelline ist verstört und schläft im Bett der Mutter. Die Mutter macht ihr Vorhaltungen, dass sie so egoistisch sei. Als Marcelline es nciht mehr aushält, geht sie der Mutter an die Gurgel. Schnitt. Schwarz. Off. Marcelline erzählt: “Ich habe ein Kind bekommen. Von meiner Mutter. Ich weiss nicht, wie es passiert ist. Vielleicht haben sich ein paar Flüssigkeiten ausgetauscht als wir gerauft haben.” Blick auf die verwirrte Gynäkologin. Diese sagt: “Mein Mann ist Psychologe, der ist im Stock über uns.” Marcelline sagt: “Kann ich nicht Ihnen meinen Traum erzählen?”.

Dazu aus dem Viennale Programm über die autobiografischen Züge: Ihre eigene Mutter spielt die Mutter, sie selbst eine Schauspielerin auf der hoffnungslosen Suche nach dem Sinn des Lebens.

http://www.viennale.at/de/programm_final/filme/2521.shtml

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